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Karma Farming

Auf Social Media kann man Posts liken (Facebook, Instagram, …) oder hoch- bzw. auch runtervoten (Reddit). Je mehr Reaktionen ein Beitrag bekommt, desto mehr zeigen die Algorithmen ihn weiteren Nutzer:innen – Engagement wird also direkt mit Reichweite belohnt.

Karma Farming beschreibt die Praxis, dieses System gezielt auszunutzen: Mit Inhalten, die nicht informieren, unterhalten oder weiterhelfen sollen, sondern einzig darauf ausgelegt sind, möglichst viele Likes oder Upvotes einzusammeln.

Warum? Weil Reichweite Vertrauen simuliert. Ein Account mit vielen Follower:innen, hohem Karma oder tausenden Likes wirkt glaubwürdig – unabhängig davon, wie dieser Status zustande gekommen ist. Das macht solche Accounts wertvoll: Als Werbeplattform, als Sprachrohr für politische Botschaften oder schlicht als Ware, die an den Meistbietenden verkauft wird.

Das Rezept ist denkbar simpel. Man nehme ein Foto eines süßen Tieres, ein rührseliges Kindheitsfoto oder einen vermeintlich inspirierenden Spruch, poste ihn in einer möglichst großen Community und warte. Besonders beliebt: Beiträge wie „Wer erinnert sich noch an diese Kindheit?“ mit einem Foto eines alten Kassettenrekorders. Oder das klassische „Teile das, wenn Du auch findest, dass Omas die Besten sind.“ Niemand widerspricht, viele liken oder teilen und der Account wächst.

Inzwischen kommen hier Bots gezielt zum Einsatz. Denn Karma Farming ist längst kein menschliches Hobby mehr: Automatisierte Accounts posten rund um die Uhr dieselben bewährten Inhalte (gerne kontrovers), sammeln Reichweite und Glaubwürdigkeit – und sobald ein Account groß genug ist, wird er an den Meistbietenden verkauft. Was einmal mit Katzenfotos und Nostalgie Posts angefangen hat, wirbt plötzlich für Nahrungsergänzungsmittel, Kryptowährungen oder politische Botschaften.

Mit KI lässt sich das Ganze inzwischen noch effizienter betreiben: Texte, Bilder und Kommentare werden automatisch generiert, Accounts sehen täuschend echt aus und die Plattformen schauen – solange die Engagementzahlen stimmen – gerne weg. Ein schönes Beispiel dafür, wie Enshittification in der Praxis aussieht: Die Plattform profitiert vom Engagement, egal ob es von Menschen oder Maschinen stammt, bis das Vertrauen der echten Nutzer:innen irgendwann so weit erodiert ist, dass sie das Handtuch werfen.