Der DIY Website Trend im Business: Erzielst Du schon Traffic oder bastelst Du noch? Warum Selbstständige ihre Zeit verschwenden und was wirklich funktioniert.
Vor Jahren habe ich den Spiegel Besteller „Die Kunst des klugen Handels – 52 Irrwege, die sie besser anderen überlassen“ von Rolf Dobelli gelesen. Darin zeigt er anhand von alltäglichen Denkfehlern und psychologischen Irrwegen, wie wir uns selbst austricksen – und wie wir klügere Entscheidungen treffen können, indem wir diese Fallen vermeiden.
Eine Geschichte, die mir im Kopf geblieben ist – jetzt recht frei wiedergegeben – ist die des Fotografen Jaques. Dieser wird von einem Freund gebeten zu helfen und für den Naturschutz Vogelhäuschen zu bauen. Die Sache ist: Jaques weiß nicht, wie man Vogelhäuschen baut. Trotzdem sagt er zu und schustert in einem ganzen Tag ganze zwei krumme Vogelhäuschen, die nur so lange nicht auseinanderfallen, wie man sie nicht zu streng anschaut.
Die Sache: Dafür hat er sich einen ganzen Tag im Kalender blockiert und keine Kund:innenshootings angenommen, für die er sonst € 500,- die Stunde nimmt.
Die Quintessenz aus dieser Geschichte: Wäre es von Jaques nicht klüger gewesen, statt selbst den Hammer in die Hand zu nehmen, die Einnahmen einer Stunde Fotoshooting einem Schreiner zu geben, der damit an einem Tag unzählige Vogelhäuschen in einer für Jaques unerreichbaren Qualität zimmert?
An Jaques muss ich jedes Mal denken, wenn ich den DIY Website Trend sehe …
Inhalt
Was steckt hinter dem „Website selbst erstellen“ Trend?
Überall siehst du sie: Die Kurse, YouTube Videos und Onlineprogramme, die Selbstständigen versprechen, ihre Website in 5 Tagen, einem Wochenende oder sogar an einem Tag selbst zu erstellen. Der Trend, dass Coaches, Berater- und Dienstleister:innen ihre WordPress Website eigenständig aufbauen, hat in den letzten Jahren regelrecht Fahrt aufgenommen.
Instagram ist voller Screenshots von „Vorher-Nachher“-Websitetransformationen, LinkedIn quillt über vor Posts à la „Ich habe meine Business Website selbst gebaut und € 5.000,- gespart!“ und in jeder Facebookgruppe für Selbstständige wird mindestens einmal täglich gefragt: „Welches Plugin brauche ich für XYZ?“
Die Versprechungen sind verlockend
Geld sparen, Unabhängigkeit gewinnen, die volle Kontrolle über das eigene Onlineauftreten haben. Besonders für Selbstständige, die ein sagen wir ambivalentes Verhältnis zur Technik haben, scheinen diese DIY-Lösungen der perfekte Mittelweg zu sein – nicht zu technisch, aber trotzdem selbstbestimmt.
WordPress.com, Wix, Squarespace und Co. werben mit kinderleichten Drag-and-Drop-Editoren. Pagebuilder versprechen, dass jede:r zur Webdesigner:in werden kann. Theme-und Template Kit-Anbieter verkaufen „Installation mit einem Klick“ Lösungen. Die Message ist klar: Eine Website erstellen ist so einfach wie nie zuvor, juhu!
Aber ist das wirklich so? Als professioneller Webdesignerin, die täglich mit WordPress und Elementor Pro arbeitet und regelmäßig die Trümmer von DIY Websiteexperimenten wieder aufräumt, habe ich eine andere Sicht auf diesen Trend.
Spoiler Alert: Sie ist nicht sonderlich rosig.
Was wird beim DIY Website Trend versprochen?
Die Marketingmaschinerie rund um DIY Websitetools läuft auf Hochtouren. Die Versprechen sind verlockend:
„Spare Tausende von Euro!“
Warum € 3.000,- für eine professionelle Website ausgeben, wenn Du es für € 100,- im Monat selbst machen kannst? Dass Du dabei Deine kostbare Zeit investierst, die Du eigentlich in Dein Business stecken und abrechnen könntest, wird gerne verschwiegen.
„Du brauchst keine Programmierkenntnisse!“
Ein paar Klicks hier, ein bisschen Drag & Drop da, und voilà: Deine Traumwebsite ist geboren. So einfach wie Lego für Erwachsene. Das kann doch jedes Kind!
„Vollständige Kontrolle über Dein Onlinebusiness!“
Keine Abhängigkeit von teuren Agenturen oder launischen Freelancer:innen. Du bist der Boss Deiner Website.
„Professionelle Ergebnisse in Rekordzeit!“
Warum Wochen oder Monate warten, wenn Du Deine Website an einem Wochenende fertigstellen kannst? Zeit ist schließlich Geld, ne?
„Tausende von Templates zur Auswahl!“
Für jeden Geschmack und jede Branche gibt es das perfekte Design. Individuell wie ein Schneeflocke, nur eben aus dem Katalog. Schonmal was von Entscheidungsparalyse gehört?
Aber andere können es doch auch!
Die Social Media Feeds sind voller strahlender Selbstständiger, die stolz ihre selbstgebauten Websites präsentieren. Hashtags wie #DIYWebsite #WebsiteSelbstGemacht oder #UnabhängigeUnternehmerIn suggerieren: Wer seine Website nicht selbst baut, ist entweder zu faul, inkompetent oder nicht selbstständig genug (haha, see what I did there?).
Die Wahrheit: Was Dir keiner über das Websiteselbsterstellen sagt
Jetzt wird’s spannend – und ehrlich. Nach Jahren der Rettungseinsätze im Backend von Websites kann ich Dir sagen: Die Realität sieht meist anders aus als die Erfolgstories auf Instagram vermuten lassen wollen.
Das Plugin-Chaos-Syndrom
Vor einigen Monaten war ich im Backend einer verzweifelten Marketingberaterin: Das Design ihrer Elementor Website war nach einem Update komplett zerschossen und auch den Cache leeren und das CSS regenerieren brachte keine Lösung.
Ein Blick in die installierten Plugins offenbarte das ganze Ausmaß der Katastrophe: Yeah Elementor Pro ist installiert! Aber dazu auch Essential Addons for Elementor. Und ElementsKit. Und Ultimate Addons for Elementor. Sowie Premium Addons for Elementor – eine wahre Pluginorgie an Addons, die es von Drittanbietern für Elementor gibt.
Dazu noch ein Plugin, das automatisch eine Bloginhaltsangabe erstellt und eins, dass die Lesedauer des Artikels anzeigt – beides Features, die Elementor Pro eigentlich schon abdeckt. zusätzlich ein extra Plugin für Weiterleitungen (eine Funktion, die auch das installierte SEO-Plugin abdeckt), zwei verschiedene Backuplösungen (eine reicht) und drei verschiedene Cachingplugins (weniger ist mehr!).
Und hier zeigt sich das Problem: Ohne Verständnis für die Logik von WordPress wird jede kleine Herausforderung mit einem neuen Plugin gelöst. Wie beim Kochen mit zu vielen Gewürzen – am Ende schmeckt nichts mehr, und keiner weiß, wann und wo es schiefgelaufen ist.
Theme Builder? Hä, welcher Theme Builder?
Hier geht es weiter: Die meisten DIY Website Bastler:innen greifen auf einen Pagebuilder zurück (hey, no shame here, ich arbeite auch fast ausschließlich mit Elementor!), weil in der Werbung suggeriert wird, dass mit einem Klick die Website steht. Machen sich aber nicht die Mühe, sich erst in die Materie einzuarbeiten.
So verstehen viele das System hinter Elementor Pro überhaupt nicht. Statt das Elementor eigene Hello Theme, das als leere Leinwand daherkommt, und die Elementor eigenen Theme Builder-Funktionen in Kombination mit dem WordPress eigenen Block Editor zu nutzen, wird jeder Blogartikel mühsam Abschnitt für Abschnitt von Hand in Elementor gebaut. Dabei bietet Elementor dank dynamischer Inhalte die Möglichkeit, mega Vorlagen für die Blogposts und die Archive zu erstellen, damit man den Blogbeitrag dann easy peasy schnell mit dem Block Editor runterschreiben (oder per Copy & Paste von einem Google Doc in unter 3 Sekunden reinkopieren kann) kann.
Ich habe Websites gesehen, wo 67 Blogposts einzeln mit Elementor designt wurden. SIEBENUNDSECHZIG! Die Autorin hatte keine Ahnung, dass sie mit einer einzigen Blogpostvorlage alle Artikel automatisch hätte formatieren können. Und wundert sich, warum sie zum Bloggen nicht wirklich überwinden kann.
Der „Es-funktioniert-ja-irgendwie“-Ansatz
Das Gefährlichste am DIY Ansatz ist die trügerische Sicherheit. Ja, die Website geht online. Ja, sie sieht auf den ersten Blick okay aus. Aber hinter dem schönen Schein lauert das Chaos:
- Ladezeiten wie zu Zeiten von AOL und T-Online
- Mobile Ansichten, die aussehen wie Tetris – nach dem Erdbeben
- Eine SEO-Struktur, die Google zum Weinenund Dir kein Ranking bringt
- Securitylöcher so groß wie Scheunentore
- Ständige Updateangst, weil niemand weiß, was kaputt gehen könnte
- Barrierefreiheit? Pfft, interessiert nicht
Das große Paradox: Expert:in mit Laienwebsite
Hier wird’s richtig absurd: Da sitzt eine Business Mentorin, die für eine Beratungsstunde € 200,- verlangt, und bastelt wochenlang an ihrer eigenen Geschäftswebsite herum wie ein:e Teenager:in am ersten MySpace Profil. Die Steuerberaterin, die für ihre Expertise zu Recht einen Premiupreis nimmt, googelt „Wie ändere ich die Schriftfarbe in WordPress“, „Warum lädt der Editor nicht?“ und flucht über CSS-Codes.
Der gleiche Experte, der seinen Kund:innen predigt „Investiere in professionelle Unterstützung, wo Du sie brauchst“, schustert sich ohne fundierte Kenntnisse seine wichtigste Visitenkarte online – die eigene Website – selbst zusammen. Das ist nicht sparsam, das grenzt schon fast an Geschäftsschädigung.
Die versteckten Kosten der „kostenlosen“ Lösung
Rechnen wir mal ehrlich: 40 Stunden YouTube Tutorials schauen, 20 Stunden experimentieren, 10 Stunden fluchen, 5 Stunden Supportforen nach Lösungen durchforsten. Das sind 75 Stunden. Bei einem Stundensatz von 100€ (und das ist zum Beispiel für Coaches noch bescheiden) sind das € 7.500,- an Opportunitätskosten (der entgangene Gewinn oder Nutzen der nächstbesten, aber nicht gewählten Alternative). Für eine Website, die am Ende aussieht, als hätte sie ein:e Praktikant:in im Koffeinrausch zusammengeklickt.
Der DIY Website Trend aus meiner Sicht: Gut gemeint, schlecht gemacht
Versteh‘ mich nicht falsch: Ich finde es großartig, wenn Selbstständige techaffiner werden wollen. Wirklich! Aber beim Websitebau verhält es sich wie beim Haare schneiden: Theoretisch kann es jede:r, praktisch sollte es nicht jede:r machen.
Der Trend zum DIY Websitebau ist symptomatisch für ein größeres Problem: Die Unterschätzung von Expertise.
Für mich bedeutet dieser Trend vor allem eines: verschwendetes Potenzial. Während sich brillante Coaches, Dienstleister- und Berater:innen durch Pluginlisten quälen und Lösungen googeln, bleiben ihre eigentlichen Talente ungenutzt. Die Expertin für Stressmanagement verbringt ihr Wochenende mit Stressfaktoren namens „Warum verschiebt sich mein Header?“ und „Wieso übernimmt es nicht meine Änderungen?“ statt neue Kund:innen zu gewinnen.
Mein Learning nach Jahren der Websitereparaturen: Die erfolgreichsten Selbstständigen investieren ihre Energie dort, wo sie Expert:in sind. Und kaufen sich die Expertise, die sie brauchen, ein. Damit sie sich auf das fokussieren, was nur sie können, und ihnen Geld einbringt.
Du brauchst eine Business Website? Das sind Deine Möglichkeiten
Option 1: Der Selbstansatz (für die, die doch selbst basteln wollen)
Falls Du Dich entschieden hast, Deine Website selbst zu bauen, dann mach es wenigstens richtig:
- Geht mit Struktur vor: Überlege Dir im Vorfeld genau, welche Seiten, Inhalte und Funktionen Du brauchst.
👉 Hol Dir dazu im Tausch gegen Deine eMail-Adresse mein Workbook „Deine eigene Website“ mit Tipps, wie Du Deine Website strukturierst. - Lerne das System: Verstehe erst die Grundlagen von WordPress und z.B. Elementor, bevor Du anfängst zu basteln. Viele Anbieter haben eine spezielle Dokumentation für den Einstieg, nutz diese auch!
- Wähle vorausschauend: Ein Plugin muss einen guten Grund haben, auf Deiner Website zu landen. Hinterfrage, ob Du die Funktion wirklich brauchst oder ob Du sie nicht schon mit an Bord befindlichen Mitteln (aka vorhandenen Plugins) erzielen kannst.
- Denke vorausschauend: Nutze die Funktionen eines Theme Builders und erstelle Dir Vorlagen nach definierten Vorgaben, die Du immer wieder verwenden kannst, statt jede Seite einzeln und neu zu designen.
- Weniger ist mehr: Starte in Eigenregie mit den wichtigsten Seiten (Wer bist Du, was kann ich bei Dir kaufen und wie komme ich da ran? Impressum und Datenschutzerklärung on topp) und hol Dir bei Bedarf später Unterstützung, um die Seite auszubauen.
Option 2: Hybrid-Ansatz (für die, die mit professioneller Hilfe starten wollen)
Lass Dir die technische Basis von einem Profi aufsetzen – das WordPress Setup, die Performanceoptimierung, die Sicherheitsmaßnahmen und die benötigten Plugins und Features. Im besten Fall gibt es dazu ein Grundlayout, dass Du Abschnitt für Abschnitt wiederverwerten kannst. Du übernimmst dann die Inhalte und kleinere Änderungen. So hast Du eine solide Grundlage und trotzdem Kontrolle über Deine Inhalte.
Viele Webdesigner:innen bieten diese Option wie das Aufsetzen und Einrichten von WordPress bei kleinem Budget an. Dazu gibt es dann oftmals eine Einweisung und diverse Tipps vom Profi, wie Du die Seiten dann richtig füllst und erweiterst.
Wenn dann später mehr Budget da ist, kann mit professioneller Hilfe die Website um weitere Funktionen (Aufsetzen von Funnels, Newsletter, Buchungs- oder Kalendertools, Onlineshop, …) erweitert werden.
Option 3: Full Service (für die, die Nägel mit Köpfen machen wollen)
Gib die Website komplett in professionelle Hände und investiere die gesparte Zeit in das, was Dir wirklich Geld bringt: Kund:innen gewinnen, Produkte entwickeln, Dein Business weiterbringen.
Und hier wird’s dann richtig interessant: Die Website professionell erstellen lassen, aber die volle Kontrolle behalten. Klingt wie ein Widerspruch? Ist es nicht.
Ich bin ein großer Fan von Hilfe zur Selbsthilfe – aber an der richtigen Stelle. Während große Agenturen ihre Kund:innen oft außen vor lassen und sie so von sich abhängig machen, verfolge ich einen anderen Ansatz: Ich erstelle Websites von A bis Z, weil ich einfach mehr Expertise habe. Punkt.
Aber dann kommt der entscheidende Unterschied: Ich schule meine Kund:innen im Anschluss darin, wie sie aktiv mit und an ihrer Website arbeiten. Neue Blogposts veröffentlichen, Seiten anlegen, Inhalte ändern – das alles können und sollen sie selber machen können. Sie haben vollen Administratorzugriff, Hosting und Domain laufen direkt über sie. Es ist immer IHRE Website.
Und mit der Seite können sie auch alles machen – inklusive Kaputtmachen, wenn sie das möchten. Aber dann müssen sie mich dafür bezahlen, dass ich es wieder richte 😉 Das motiviert übrigens ungemein zu vorsichtigem Umgang mit den Einstellungen.
In der Regel entscheiden sich meine Kund:innen aber für meine weitere Begleitung. Das heißt, ich kümmere mich um Wartung, Up-Dates und Sicherung und stehe zusätzlich als kompetente Ansprechpartnerin, die ihre Website in- und auswendig kennt, zur Seite. Ein neuer Funnel oder ein neues Tool soll integriert werden? I got you, boo.
Die Wahrheit über Zeit und Geld
Bevor Du Dich für den DIY Weg entscheidest, rechne ehrlich: Was kostet Dich eine Stunde? Wie viele Stunden wirst Du wirklich brauchen (Tipp: Multipliziere diese Schätzung noch mal drei)? Und: Wie viele Kund:innen könntest Du in dieser Zeit gewinnen, während Deine Website bereits professionell läuft?
Meine Fazit: Eine Business Website ist kein Hobbyprojekt
Der Trend, dass Selbstständige ihre Website selbst erstellen, wird bleiben – genau wie der Trend, dass Menschen ihre Haare selbst schneiden oder ihre Steuererklärung selbst machen. Manche sind talentiert genug dafür, die meisten nicht.
Am Ende zählt nicht der Trend, sondern das Ergebnis. Und das Ergebnis einer professionell erstellten Business Website wird immer besser sein als das einer selbstgebastelten Lösung. Nicht weil DIYler zu dumm sind, sondern weil Websiteerstellung ein Handwerk ist, das Zeit, Erfahrung und ständige Weiterbildung erfordert.
Mein Rat: Investiere Deine kostbare Zeit in das, womit Du Geld verdienst. Lass andere die Websites bauen und konzentriere Dich darauf, sie mit Deiner Expertise zu füllen. Damit fährst Du auf lange Sicht immer besser.
PS: Falls Du zu denen gehörst, die es trotzdem selbst versucht haben und jetzt vor einem digitalen Scherbenhaufen stehen: Keine Sorge, sowas kann man reparieren. Aber beim nächsten Mal vielleicht gleich zum Profi? 😉
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